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Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät? Globaler Verkehr in der Steinzeit

Wie lange ist der Mensch schon mobil? Waren Weltmeere in der Frühzeit trennende oder bereits Völker verbindende Verkehrswege? War schon der Frühmensch Homo erectus ein Seefahrer? Wie kam der afrikanische Flaschenkürbis bereits in der Steinzeit nach Mexiko?

Mit diesen und weiteren spannenden Fragen der Seefahrtgeschichte, Archäologie, Astronomie, Kartographie, Anthropologie, Vegetationsgeographie und Materialforschung setzt sich das Verkehrsmuseum in seiner neuen Sonderausstellung auseinander.

Der Archäologe, Seefahrer und Autor Dr. Dominique Görlitz, bekannt durch seine Experimentalreisen mit den vorzeitlichen Schilfbooten ABORA I bis III im Mittelmeer und Nordatlantik, ist einem der ungelösten Rätsel der modernen Wissenschaft auf der Spur:

  • Entwickelten sich die frühen Kulturzentren der Welt wie Ägypten, Mesopotamien und auch die mesoamerikanischen Völker völlig unabhängig voneinander oder standen die Hochkulturen der Alten Welt mit den Ländern der Neuen Welt jenseits des Atlantiks in einem Kulturaustausch?
  • Gab es bereits lange vor der Zeitrechnung eine hochseetaugliche Schifffahrt?

Ein großes Vorbild

Dominique Görlitz steht in der Tradition des berühmten norwegischen Seefahrthistorikers Thor Heyerdahl (1914-2002), der bereits vor über 60 Jahren die These vertrat, dass die Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit mit einfachen Flößen aus Holz und Schilf die Weltmeere überqueren konnten. An seine außergewöhnlichen Expeditionsreisen erinnern:

  •   ein Modell des berühmten Papyrusbootes RA II, das 1970 erfolgreich den mittleren Atlantik überquerte.
  • das Segel des Schilfbootes TIGRIS, mit dem Heyerdahl den Persischen Golf, das Arabi-sche Meer und Teile des Indischen Ozeans (1977/78) besegelte. (Die Leihgabe des KON-TIKI Museums Oslo ist erstmals außerhalb Norwegens zu sehen.)
  • originale Artefakte von der Ausgrabung Heyerdahls mit Prof. Arne Skjølsvold (UniversitätOslo), die 1955 im Rano Raraku Krater auf der Osterinsel stattfand.

Die Anfänge der Seefahrt…

…nehmen einen breiten Raum in der Ausstellung ein. Es werden die vier Urtypen prähistorischer Wasserfahrzeuge beschrieben und anschaulich erklärt, warum das Floß und der Einbaum zu den ältesten Wurzeln des modernen Segelschiffes zählen.
Seit 1990 hat Görlitz mit Unterstützung der ABORA-Projektgruppe fünf große besegelte und zwei kleinere beruderte Schilfboote sowie zwei Einbäume gebaut und auf dem Meer getestet. Einige dieser Nachbauten befinden sich in der Ausstellung:

  • Im Lichthof (EG) „ankert“ der sechs Meter lange Schilfsegler DILMUN IV. Er wurde 2008 nach alten vorägyptischen Felsmalereien konstruiert und von Aymara-Indianern am Titikakasee in Bolivien gebaut. Alle DILMUN-Schilfflöße (I-IV) wurden im Vorfeld der großen ABORA-Experimente entwickelt, um nach Steinzeitvorlage die Seitenschert-Segeltechnik auf ihre Machbarkeit zu testen.
  • Die beiden Einbäume repräsentieren den zweiten wichtigen Stammbaum des modernen Segelschiffs. Sie wurden 1994/1995 von sächsischen Gymnasiasten aus Chemnitz gebaut und mehrfach auf Binnengewässern und der Ostsee getestet. Der größere Einbaum stellt eine Piroge dar - ein erweiterter Einbaum mit aufgesetzten Planken. Beide Fahrzeuge können sowohl berudert als auch besegelt gefahren werden.

Die ABORA-Expeditionen

Die Schau stellt alle ABORA-Expeditionen (1999-2007) und ihre wissenschaftlichen Hintergründe auf großen Schautafeln sowie multimedial vor und präsentiert faszinierende Fundobjekte:

  • 1999 startete die von sächsischen Schülern gebaute ABORA I im zentralen Mittelmeer von Sardinien mit Kurs in Richtung Kanaren. Die dabei gesammelten Erfahrungen…
  •  …führten 2002 zur ABORA-II-Expedition. Von Alexandria aus überquerte die Crew das Ostmittelmeer und kreuzte von Zypern zurück zum Ausgangspunkt. Zum ersten Mal in der Neuzeit gelang eine Hin- und Rückreise mit einem Schilfboot.
  • Die letzte große ABORA-Expedition fand 2007 auf dem Nordatlantik statt. Sie wurde zu einem der spannendsten Abenteuer seit Thor Heyerdahl. Zum ersten Mal sollte in der Neuzeit ein prähistorischer Rahsegler die für unmöglich gehaltene Nordroute des Atlantiksüberqueren um zu dokumentieren, dass die Menschen bereits Jahrtausende vor der Wiederentdeckung Amerikas durch Kolumbus 1492 diesen Navigationsweg meisterten.
    Die Expedition legte in 56 Tagen über 4.400 km (=2410 Seemeilen) zurück. Obwohl das geografische Ziel nicht erreicht wurde, konnte die Seereise der ABORA IIIdokumentieren,dass ein prähistorisches Schilfboot das Potential besitzt, den Atlantik entlang des schwierig zu befahrenen Golfstroms in umgekehrter Richtung zu überqueren.
  • In der Ausstellung hängt das Segel der ABORA III. Fünf große Flicken zeugen vom Kampf gegen die Naturgewalten.

Das ABORA Forschungsprojekt

Die ABORA-Projektgruppe unter der Leitung von Dominique Görlitz arbeitet seit vielen Jahren an der Kulturforschung und experimentellen Archäologie. Dabei geht es aber nicht nur um Seefahrtgeschichte und Archäologie, sondern um viele interdisziplinäre Fachgebiete aus den Natur- und Geisteswissenschaften. Der Verein für Experimentelle Archäologie und Forschung Chemnitz e.V. unterhält Forschungskooperationen zu nationalen als auch internationalen Instituten und Museen.


am 3. März 2013 von 10 bis 18 Uhr

Finissage
zur Sonderausstellung
"Kam Kolumbus 15.000 Jahre zu spät?"



3. März 2013 15 Uhr

Dia-Video-Präsentation
Hat bereits Pharao Ramses eine Zigarre geraucht? Und wenn ja, was bedeutet das?



sonntags 11 Uhr

Eine Reise in die Steinzeit
Führung durch die Sonderausstellung

Februar: 3./10./17./24.
März: 3.